Die Fähre zwschen Blaye und Lamarque

Erst Bilder, dann etwas Geschichte

Die Côtes de Blaye, die Fähre zwischen Blaye und Lamarque wie man sie heutzutage kennt.

Dieselbe Fähre, allerdings nicht da, wo sie sonst ihren Dienst tut, sondern in Royan, vermutlich aus technischen Gründen.


Da ist sie wieder dort, wo sie hingehört. Ein paar Zahlen zu dieser Fähre: 1970 gebaut, 51,50 m lang, 12,30 m breit, 1,70 m Tiefgang, Gewicht 530 t, Kapazität: 40 Fahrzeuge, 350 Passagiere.


Auch eine Fähre, eine ehemalige allerdings, die einen erheblichen Gestaltwandel durchgemacht hat. Seither heißt sie Ville de Bordeaux und liegt im Port de la Lune und dient als Ausflugsschiff. Vielleicht nicht mehr lange.


Backbordansicht derselben ehemaligen Fähre, die früher Les deux rives hieß.

Hier kann man gut nachvollziehen, was aus der einstigen Fähre ein Ausflugsschiff gemacht hat. Die auffälligste Veränderung fand auf dem ehemaligen Fahrzeugdeck statt, wo ein geräumiger Passagierraum eingebaut wurde, der dem Schiff einen eigenartigen Charme verleiht.


Und nun ein kleiner historischer Exkurs:

Fährverbindung zwischen Blaye und Lamarque

Auch heute noch trennt die Gironde die Verkehrsströme auf ihren beiden Ufern, aber es gibt immerhin Möglichkeiten von der rechten auf die linke Seite zu gelangen, umgekehrt natürlich auch. Über die eine Fährverbindung, die zwischen Le Verdon und Royan, haben wir schon berichtet. Hier soll nun die Verbindung zwischen Blaye und Lamarque etwas ins Licht gerückt werden.

Vorläufer gab es schon im späten 19. Jahrhundert, als eine mehr oder weniger regelmässige Schiffsverbindung zwischen Bordeaux, Blaye und Pauillac eingerichtet wurde, die 1902 durch einen Zwischenhalt in Lamarque erweitert wurde. Damit war, zumindest für Passagiere, die Möglichkeit gegeben, die Gironde zwischen Blaye und Lamarque zu queren, doch in zeitlich größeren Abständen, die nicht erlauben, von einer wirklichen Verbindung zwischen den beiden Orten zu sprechen. Außerdem wurde der Zwischenhalt in Lamarque schon 1915 wieder aufgehoben, vermutlich, weil der Ertrag in keinem rechten Verhältnis zum Aufwand stand. Eigentlich erstaunlich, denn schon 1912 wurde vom damaligen Bürgermeister von Cussac die Idee formuliert, eine dampfgetriebene Schiffsverbindung zwischen Blaye und Lamarque einzurichten. Der Conseil genéral des Départements stimmte dem Projekt zu, doch machte, wie bei vielen anderen Dingen, auch hier der erste Weltkrieg einen Strich durch die Rechnung. Immerhin wurde 1915 eine kleine Lösung geschaffen, als sich ein Schiffer aus Blaye bereit erklärte, eine Verbindung von Blaye nach Pauillac sicherzustelllen, die Zwischenhalte in Saint Julien und Lamarque anbot. Auch hier bestand keine Möglichkeit, Fahrzeuge zu transportieren.

Erst 1926 kam dann die Diskussion im Conseil général wieder in Gang, und 1932 wurde das Projekt endgültig zu Wasser gelassen. Die erste planmäßige Fährfahrt zwischen Blaye und Lamarque fand am 15. März 1934 statt. Die eigens zu diesem Zweck gebaute Fähre trug den beziehungsreichen Namen Les deux rives, die beiden Ufer. Sie versah treu und brav ihren Dienst bis zum Juni 1940, als sie von der französischen Kriegsmarine beschlagnahmt wurde. Schließlich nahmen die deutschen Besatzer das Schiff in ihre Dienste und setzten es als Verbindung zwischen La Pallice und Saint-Martin-de-Ré ein. Nach  Kriegsende wurde die Fähre ins Dock nach Bordeaux geschickt, wo sie ihre grüngraue Kriegsbemalung gegen das ursprüngliche Weiß und Rot tauschte und auch sonst überholt wurde. 1970 wurden die alterschwach gewordenen Motoren gegen stärkere ausgewechselt. Da der Verkehr ständig zunahm, wurde nach einer leistungsfähigeren Fähre gerufen und die Deux rives 1980 stillgelegt. Sie wurde 1982 verkauft und nach Bordeaux verlegt, wo sie umgebaut und als Ville de Bordeaux lange Jahre als Ausflugsschiff Dienst tat.

Nachfolgerin auf der Fährstrecke von Blaye nach Lamarque wurde ein Neubau, der den Namen „Côtes de Blaye“ erhielt.

(UM, 30. Nov. 2011)